Literaturstipendium
Title
Literaturstipendium
Reference Code / Identification number
E.1-11 Stadtbeobachter
Stage
Bestand
Period of origin
1990 - 1999
Provenance
Stadtkanzlei
Bestandsgeschichte
Im Kontext der 700-Jahrfeier 1991 entschied sich der Stadtrat, bzw. der Grosse Gemeinderat, im Jubiläumsjahr den Einsatz eines Stadtbeobachters zu finanzieren. Die Idee stammte von Annelies Ursin, Mitglied der Arbeitsgruppe "1991". Ihr Vorbild waren die "Stadtschreiber" in verschiedenen Städten Deutschlands und Österreichs. Eine Schriftstellerin oder ein Schriftsteller aus dem deutschsprachigen Raum soll ein Stipendium erhalten, bestehend aus einer Wohnung und einem Beitrag an die Lebenshaltungskosten.
Im August 1991 bestimmte der Stadtrat eine Fachgruppe, bestehend aus Max Bauer (Mittelschullehrer, Oberwil), Christa Kaufmann-Huber (Baar), Rolf Kugler (ehemaliger Stadtrat, Oberwil), Annelies Ursin (Intendantin des Theaters im Burgbackkeller, Unterägeri) und Egon Ammann (Verleger, Zürich). Vom Stadtbeobachter wurde neben dem literarischen Schreiben erwartet, mit der Bevölkerung und den Medien in Kontakt zu treten und Ideen für Veranstaltungen zu liefern. Im Gegenzug war die Stadt Zug verpflichtet, monatlich einen Betrag von 3000 Franken an die Lebenshaltungskosten zu sprechen, eine möblierte Wohnung (Dachwohnung an der Ägeristrasse 9) zur Verfügung zu stellen sowie die Schreibenden bei der Organisation von Veranstaltungen zu unterstützen.
Der erste Stadtbeobachter war der deutsche, in Rumänien geborene Lyriker Werner Söllner (1951-2019). Söllner war aus 41 Bewerbungen ausgewählt worden. Auf ihn folgte im Jahr 1992/1993 der Autor Martin R. Dean (*1955), neu auf Berufung hin. Kurz vor dessen Amtseinführung hatten der Stadtrat und der Gemeinderat nach einer Motion von Peter Kamm beschlossen, das Stipendium für weitere drei Jahre bis 1995 zu finanzieren. Der erste weibliche Stadtbeobachter wurde die ungarische Schriftstellein Zzuzsanna Gahse (*1946). Sie arbeitete vorwiegend an einem Theaterstück für Zug. Während ihrer Amtszeit wurde für die Jahre 1994/1995 der Oesterreicher Alois Hotschnig (*1959) gewählt. Alle drei Stadtbeobachter organisierten während ihrer Amszeit zahlreiche Veranstaltungen. Sie präsentierten ihr eigenes literarisches Schaffen, luden andere Schreibende ein und arbeiteten auch spartenübergreifend.
1993 beantragte der Stadtrat dem Grossen Rat, die Institution für 4 Jahre weiterzuführen Die SVP der Stadt Zug drohte mit dem Referendum, falls der Kredit angenommen würde. Nach der Zustimmung des GGR kam das Behördenreferendum mit 15 Stimmen zustande, einer Stimme mehr als notwendig. Am 20. Februar 1994 lehnte die Zuger Stimmbevölkerung die Verlängerung des Stipendiums mit 4791 Nein gegen 3315 Ja ab. Zsuzanna Gahse wurde vor und nach der Abstimmung in anonymen Telefonaten und Briefen fremden- und frauenfeindlich beschimpft. Auch der Stadtrat erhielt Briefe gegen das Amt. Das Abstimmungsresultat machte über die Schweiz hinaus negative Schlagzeilen, der Imageschaden für die Stadt Zug war gross. Das im November 1993 konstituierte Aktionskomitee, dem sich viele kulturell engagierte Institutionen anschlossen und mit dem Slogan "Unser Stadtbeobachter bleibt. Wir stehen dafür ein" auftrat, vermochte die Stimmung nicht zu kippen. Zsuzsanna Gahse reiste vorzeitig ab. Ihr Theaterstück "Lever" wurde im Frühling 1994 gleichwohl im Theater Casino aufgeführt. Alois Hotschnig, der designierte Nachfolger, verzichtete in der Folge auf sein Zuger Gastjahr. Die noch am Abstimmungssonntag formulierte Motion des Kantonsrates Toni Kleimann "betreffend Ausrichtung eines kantonalen Stipendiums für einen Stadt- und Landdichter" hatte keine Chance.
Überlieferungsformen
None
End of protection period
1/1/2030