Hilfskommitee Viseu de Sus
Title
Hilfskommitee Viseu de Sus
Reference Code / Identification number
P.6
Stage
Bestand
Period of origin
1980 - 2003
Provenance
Hilfskommitee Viseu de Sus
Bestandsgeschichte
Kurz nach dem Sturz der Ceausescu Diktatur Ende 1989 hatten Medienberichte über die Zustände in rumänischen Waisenhäusern und Kinderheimen auch die Schweizer Bevölkerung erschüttert. Der Zuger Stadtrat beschloss am 24. April 1990, die 1600 Kilometer entfernte Stadt Viseu de Sus im Bezirk Maramures finanziell zu unterstützen. Eine Woche vorher hatte der Zuger Stadtpräsident zusammen mit dem Bürgermeister von Fürstenfeld (Partnerstadt von Zug), Erich Kospach, den Ort im Norden Rumäniens besucht. Fürstenfeld hatte bereits zu Beginn des Jahres 1990 begonnen, «das Armenhaus Rumäniens» mit Lebensmitteln und Medikamenten zu unterstützen. Die Hilfe Fürstenfelds hing eng mit einem Pfarrer zusammen, der selbst Rumäne war. So wurde eine koordinierte «Rumänienhilfe» der beiden Städte beschlossen. Walter A. Hegglin erklärte sich spontan bereit, einem allfälligen Kommitee vorzustehen.
Die erste Sitzung des Zuger Hilfskommitees fand am 24. April 1990 statt. Es wurde von folgenden Personen gegründet: Alt Stadtpräsident Walther A. Hegglin, Alt Stadtpräsident Othmar Kamer, Hans Schaffner aus Zug/Steinhausen und Hanswerner Trütsch. Der erste Spendenaufruf in Zug brachte bis Ende September 1990 bereits 340'000.- Franken zusammen.
Die drei ersten grossen Aktionen erfolgten im Dezember 1990 und 1991 und an Weihnachten 1993 mit der Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten. Ausserhalb dieser Hilfsgüter-Konvois wurden in den rund zehn Jahren der Unterstützung weitere 60 Transporte ausgeführt. Dabei wurden die Konvois oft von Feuerwehrleuten aus Zug, Österreich, Ungarn und Rumänien im Bereich Logistik und Bewilligungen unterstützt. Der Wert der Hilfsgüter schätzten die Verantwortlichen 1999 im Abschlussbericht auf mehr als 3 Millionen.
Weitere Projekte in Viseu de Sus wie in Baia Mare waren der Ausbau und die Erneuerung der Wasserversorgung, die Sanierung des Waisenhauses und des Stadtspitals, die Realisierung eines Kehrrichtentsorgungskonzeptes, eines neuen Kindergartens, die Unterstützung der Sonderschule, die Gründung und der Betrieb eines Caritas Ladens, eines Sprachlabors für Deutschunterricht und die Starthilfe für eine Druckerei und Gewerbebetriebe wie Schreinereien, Bäckereien und Coiffeursalons.
Die Spenden kamen sowohl von Privatpersonen, Betrieben, Firmen als auch von Institutionen. So etwa vom Schweizerischen Roten Kreuz, von der Armee und von verschiedenen Spitälern.
In den Jahren 1992 bis 1999 verbrachten zudem gegen 300 Kinder aus Viseu de Sus zwei Wochen in einem Ferienlager auf dem Zugerberg. Auch zahlreiche Praktikanten kamen in der Regel während zwei Monaten zu Ausbildungszwecken in Zuger Geschäfte und Betriebe. Folgende Branchen waren involviert: Wasserversorgung, Television, Architektur, Sägerei, Schreinerei, Baubranche, Sanitär und Elektroinstallationen, Autoreparaturen, Buchdruck, Rettungsdienst, Gastwirtschaft, Datenverarbeitung, Verwaltung und Spital.
1995 wurde beschlossen, stärker in Richtung grössere Selbständigkeit zu arbeiten und die Strategie «Hilfe zur Selbsthilfe» formuliert. In der Realität konnte diese Vision auf beiden Seiten nicht immer gelebt werden. Zug agierte nach den ersten Erfahrungen oft nach dem Prinzip: «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser». Viele Kommiteemitglieder wie auch eine private Gruppe reiste in die beiden Städte, um die Projekte vor Ort zu begutachten. Ende 1999 wurde das Kommitee aufgelöst, im Jahr 2000 noch ein letztes Mail ein Ferienlager für Kinder aus Viseu de Sus auf dem Gottschalkenberg durchgeführt.
Der Zugerverein wurde am 26. November 1993 auf Empfehlung des Hilfskommitees gegründet. Zweck des Vereins war es, Praktikantinnen und Praktikanten vor Ort in Zug zu unterstützen. In den Jahren 1994 bis 1997 führten Mitglieder des Vereins vor Ort in Rumänien auch selbst Sammlungen durch.
In Viseu de Sus wurde am 20. Mai 1996 ebenfalls ein «Zuger Verein» gegründet mit dem Zweck der Beschaffung von materiellen Gütern und Geldmitteln von natürlichen und juristischen Personen aus dem In- und Ausland.
Für die Rumänienhilfe wurde die Stadt Zug am 20. November 1994 als erste Gemeinde der Schweiz mit der Ehrenplakette des Europarates ausgezeichnet. Bereits Ende 1991 war Zug in Lausanne vom Kongress der europäischen Partnergemeinden des Rates der Gemeinden und Regionen Europas für die umfassende Hilfe an die rumänische Stadt Viseu des Sus mit dem «Oscar der Europäischen Partnerschaft Ost-West-Beziehungen geehrt worden. Nach Abschluss des Projektes «Zug hilft Viseu de Sus» wurde in Viseu de Sus ein Platz in «Zug-Platz» umbenannt und eine Uhr aufgestellt. Die Städte Viseu de Sus wie Baia Mare ernannten mehrere Kommiteemitglieder zu ihren Ehrenbürgern
Form and content
Gesamtdokumentation, enthaltend Fotos, Dias, Broschüren, Werbematerial, Sonderbericht Peter Vogel
Überlieferungsformen
None
End of protection period
1/1/2034
Anmerkungen
Von 1990 bis 1999 wirkte das private Zuger Hilfskomitee "Zug hilft Viseu de Sus", anfänglich zusammen mit Verantwortlichen der Zuger Partnerstadt Fürstenfeld, zu Gunsten der rumänischen Stadt Viseu de Sus. Nach Abschluss der Arbeiten und der Auflösung des Komitees wurden die Akten durch den Präsidenten Hanswerner Trütsch und das Komiteemitglied Markus Meienberg dem Stadtarchiv Zug zur Aufbewahrung übergeben.